25 Tips um schärfere Fotos zu erhalten
Sonntag 29. Juli 2007 von stefan.neuweger
Die Schärfe eines Fotos wird oft zur Bewertung von Aufnahmen herangezogen, dennoch stellt sie nicht das wichtigste oder einzigste Kriterium zur Bewertung einer Aufnahme dar! Ob eine optimale Schärfe ausschlaggebend für ein gelungenes Foto ist, bleibt also dahingestellt.
Will man jedoch eine optimale Schärfe beim Fotografieren erreichen, sollte man die dazu geeigneten Techniken einsetzen. Einige Vorschläge und Methoden zur Verbesserung der Schärfe, welche sich mir als hilfreich erwiesen haben, möchte ich in diesem Artikel darstellen. Dabei erhebe ich selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, mir geht es lediglich darum einige Schlüssel- Überlegungen darzustellen, die man beim Fotografieren anstellen kann, wenn es darum geht, die Schärfe der eigenen Aufnahmen zu verbessern.
Dabei gehe ich auf 4 Bereiche ein: verwendetes Zubehör, richtige Aufnahmetechnik, eingesetzte Optiken und Bildbearbeitung.
1) Zubehör
- Stativ - Dreibein
Die wohl wichtigste und einfachste Methode, um die Schärfe der eigenen Aufnahmen zu verbessern, ist der Einsatz eines Stativs. Die Bilder werden schärfer, da die Kamera stabilisiert wird und Handbewegungen nicht auftreten können. Tatsächlich erhälst Du oft bessere Resultate wenn Du ein stabiles Stativ in Verbindung mit einer Linse von mittlerer/unterer Qualität einsetzt, als wenn mit einer Linse höherer Qualität freihand “geschossen” wird. Wenn möglich lässt sich das Stativ noch zusätzlich stabilisieren, indem Du das Stativ dadurch schwerer machst, dass Du ein Gewicht (z.B. Kameratasche) an den Stativhaken hängst. Für maximale Stabilität sollte die Stativmittelsäule nicht “ausgefahren” werden oder ggf. ganz entfernt werden.
- Stativ - Einbein
Ist der Einsatz eines Dreibein-Stativs nicht möglich, so ist das Einbeinstativ die nächstbeste Lösung. Auch hier gilt es jedoch, die geeignete Technik einzusetzen. Weitläufig bekannt sind 3 Arten, das Einbeinstativ zu positionieren:
- 1) vorne mittig zwischen den schulterbreit platzierten Füsse (unsicherste Variante)
- 2) abgestützt am hinteren der in Schrittstellung positionierten Füsse und
- 3) aufgesetzt schräg hinter einem der in Schulterbreite positionierten Füsse
Link (Englisch): http://www.outdooreyes.com/photo5.php3
2) Aufnametechniken
- Abstützen
Wenn kein Hilfssystem w.z.B. ein Stativ zur Verfügung steht, solltest Du versuchen, Dich an einer Wand o.ä. anzulehnen. Ist nichts Geeignetes zum Anlehnen in der Nähe, solltest Du Dich stabil positionieren und die Ellbogen am Oberkörper abstützen und sodann auslösen.
- Spiegelvorauslösung und Kabelfernauslöser verwenden
Der Gebrauch von Stativen erfordert den Einsatz bestimmter Techniken. Wenn die eingesetzte Kamera über eine sog. Spiegelvorauslösungs-Funktion (”Mirror-Lockup” = MLU) verfügt, sollte diese aktiviert werden. Dadurch wird der Schwingspiegel einer Spiegelreflexkamera zeitlich deutlich vor der eigentlichen Aufnahme hochgeklappt, wodurch die beim Hochklappen entstehenden Vibrationen nicht mehr mit dem Aufnahmezeitpunkt zusammenfallen und nicht zu Verwacklungen führen können.
Die Verwendung eines Fernauslösekabels ist bei Anwendung dieser Technick angeraten, da somit die Auslösung bei hochgeklapptem Spiegel ohne Berührung der Kamera erfolgen kann. Steht kein Fernauslösekabel zur Verfügung, kann man sich mit der zeitverzögerten Selbstauslösefunktion der Kamera behelfen.
- Blitzen
Wenn es darum geht eine ausreichend schnelle Verschlusszeit zu bekommen um Verwacklungen und damit Unschärfe zu vermeiden, ist der Einsatz eines Blitzes als Hauptlichtquelle eine mögliche Lösung.
- Wahl der optiomalen Blende
Typischerweise sind Objektive 2-3 Blenden unter ihrer maximalen Öffnung am schärfsten. Vollständig geöffnet - also bei niedrigster Blendenzahl - zeigen die meisten Optiken am ehesten ihre Schwächen, w.z.B. Unschärfe in den Außenrändern der Aufnahme. Andererseits tritt bei vollständigem Abblenden zunehmend Diffraktion (Beugungsunschärfe) auf und das Bild erscheint “weich”. “Sonne lacht Blende 8″ ist eine der existierenden groben Faustregeln.
- Wahl der richtigen Verschlusszeit
Als Faustformel für die langsamste mögliche Verschlusszeit beim Freihand-Fotografieren gilt: die Verschlusszeit sollte den Wert 1/Brennweite des Objektivs nicht unterschreiten. Beispielswiese sollte bei Verwendung einer Vollformat-Kamera die Verschlusszeit bei Verwendung eines 100mm Objektivs mindestens 1/100stel betragen.
Für sog. Crop-Kameras gilt: der oben ermittelte Wert ist mit dem Crop-Faktor der Kamera zu multiplizieren. Für einen Crop-Faktor von 1,6 ergäbe sich also für obiges Beispiel eine mindeste Verschlusszeit von 1/160stel.
Um Bewegung einzufrieren werden je nach Motiv wesentlich schnellere Verschlusszeiten benötigt, w.z.B. 1/500stel für normale Sportaufnahmen, 1/800stel bis 1/1000stel für schnellere Sportarten wie Gymnastik.
- Verschlusszeiten in der Makrofotografie
Die im vorangegangenen Punkt dargestellte Regel trifft nicht auf Makroaufnahmen zu. Je näher ein Motiv an der Linse ist, desto größer ist die Auswirkung von Bewegungen auf die Abbildungsschärfe. Wenn man im Abbildungsmaßstab 1:1 oder mehr Freihand-Aufnahmen macht, ist eine Verschlusszeit von 1/Brennweite des Objektives viel zu wenig. In diesen Fall sollte man entweder eine schnellere Verschlusszeit wählen, ein Stativ einsetzen oder einen Blitz verwenden.
- Portraits: auf die Augen fokussieren
In der Portraitfotografie sind scharf abgebildete Augen ein “Muss”. Sind die Augen nicht scharf abgebildet, erscheint das ganze Portrait unscharf.
- “Sanfte” Betätigung des Auslösers
Der Auslöser sollte immer ganz sachte und sanft gedrückt werden. Drücke sanft den Auslöser um die Belichtung zu messen und drücke dann ganz sacht den Auslöser durch um die Aufnahme auszulösen. Niemals mit Kraft den Auslöser durchdrücken!
- Selbstauslösefunktion “missbrauchen”
Sofern die Kamera über eine Selbstauslöserfunktion verfügt kann diese ebenfalls dazu dienen, schärfere Bildergebnisse zu erzielen. Sofern die “Countdown”-Zeit des Selbstauslösers einstellbar ist, sollte diese zu diesem Zwecke z.B. auf 2 Sekunden eingestellt werden. Dann drückt man den Auslöser durch, wartet 2 Sekunden, und dann löst die Kamera die Aufnahme aus - ohne dass Du Deinen Körper nochmals bewegen musst. Allerdings kann diese Technik natürlich nur in geeigneten Aufnahmesituationen angewendet werden. Bei dieser Technik kann es zugegebenerweise noch zu Spiegel - Vibrationen kommen, aber die Vibrationen beim Durchdrücken des Auslösers haben keinen Effekt mehr auf die Aufnahme.
- Mit hoher ISO-Einstellung fotografieren
Zunächst einmal sei gesagt, dass ein scharfes Foto mit Farbrauschen einer unscharfen Aufnahme ohne Rauschen vorzuziehen ist. Aber, je niedriger die ISO-Eisntellung, desto weniger Farbrauschen tritt auf, und desto besser ist die Qualität des Fotos. Es gibt Spezialsoftware diverser Hersteller, die entweder als Standalone-Anwendung oder als sog. Plugin für gängige Bildbearbeitungsprogramme verfügbar ist, welche das Bildrauschen aus Fotos nachträglich (nahezu) eliminieren kann, was allerdings zumeist etwas auf Kosten der Detailschärfe geht.
- Atem anhalten
Vor der Aufnahme solltest Du ruhig werden, ausatmen und erst auslösen, wenn Du Dich entspannt fühlst. Also zwischen den Atemzügen auslösen, nicht währenddessen.
- Auf den Wind achten
Möchte man Lanschaftsaufnahmen oder Makroaufnehmen mit Blumen und Blättern “schön scharf” hinbekommen, so sollte mann auf eine “Windpause” warten und die Aufnahmen auslösen, sobald das Motiv möglichst nicht in Bewegung ist.
- Mehr als einmal auslösen (Serienaufnahme)
Oftmals trifft man auf suboptimale Licht- und Aufnahmebedinungen. Wenn sich das Motiv nicht bewegt, so kann man mehrere Aufnahmen in Serie machen und anschließend das schärfste Exemplar aussuchen.
3) Verwendete Optiken
- Hochwertige Optiken benutzen
Sicherlich muss nicht extra betont werden, dass einige Optiken bessere Abbildungsleistungen und Schärfe bringen als andere. Im Allgmeinen kann man sagen, dass hochwertigere Optiken - wie zum Beispiel die “L”-Serie von Canon - zu schärferen Bildergebnissen führen werden als Linsen aus dem “Consumer-Bereich”, ganz besonders im Offenblende-Segment. Desweiteren kann man festhalten, dass Festbrennweiten allgemeinhin schärfere Bildergebnisse nachgesagt werden als Zoom-Linsen.
- Fremdhersteller-Optiken
Manchmal wird man mit Optiken eines Fremdherstellers bessere Resulatet erzielen als mit herstellereigenen Optiken. Ein prominentes Beispiel ist das Fehlen von excellenten Weitwinkel-Linsen im Objektivprogramm von Canon. Viele Nutzer von Full-Frame-Kameras verwenden Linsen von Leica oder
Zeiss um optimale Schärfeabbildung zu erzielen. Dabei ist besonders die Schärfe in den äußeren Randbereichen und Ecken des Bildes von Bedeutung. Das Zeiss 21mm f/2.8 Distagon wird oft als “König” der Weitwinkel-Linsen bezeichnet und stellt die Messlatte für andere Objektive dar. - Bildstabilisierung aktiveren
Bildstabilisierungsfunktionen - eingebaut entweder in der Optik oder im Kameragehäuse - ermöglichen Freihandaufnahmen bei längeren Verschlusszeiten, wobei dies dem Fotografen effektiv einen zwischen 2 und 4 Blendenwerten größeren Spielraum bringt.
- Bildstabilisierung deaktiveren
Das widerspricht natürlich dem letzten Tip. Aber bei Verwendung eines Stativ wird die Bildstabilisierungsfunktion durch das Fehlen von Bewegung sozusagen “verwirrt”. Dies kann zu einem sog. “Feedback loop” führen, der mehr Bewegung erzeugt als wenn die Bildstabilisierung deaktiviert wäre. Bei neueren Objektiven mit Bildstabilisierung soll dieses Problem angeblich nicht mehr auftreten, aber wenn Du nicht sicher bist, schalte es bei Stativaufnahmen besser aus. Ein netter Nebeneffekt davon ist, dass Batteriepower eingespart wird.
- Filter
Um die Objektfrontlinse zu schützen, kommen oft Filter zum Einsatz (UV- oder Skylight-Filter). Allerdings erkauft man sich diesen Schutz mit einer reduzierten Abbildungsschärfe der Linse (der verminderte Kontrast sowie die vermehrte Neigung zu Lichtreflexen sei hier nur am Rande erwähnt). Wenn nicht zwingend benötigt, können solche Filter weggelassen werden.
- Linsen justieren lassen
Fakt ist, dass eine gewisse Serienstreuung bei Objektiven existiert, auch wenn das Problem augenscheinlich nicht ganz so gravierend ist, wie es manche Beiträge zu diesem Thema in Internetforen erscheinen lassen. Für den Fall, dass Du das Gefühl hast, eins Deiner Objektive erbringt nicht die optimale Schärfeleistung, so besteht die Möglichkeit, die Linse vom Hersteller (oder einem authorisierten Servicebetrieb) justieren zu lassen. In den meisten Fällen wird das Objektiv nach der Justierung schärfere Ergebnisse liefern als davor. Angebracht ist es auf jeden Fall die Linsen gemeinsam mit dem Kamera-Body zur Justage einzuschicken, damit die Justage auf Linse(n) und Gehäuse abgestimmt erfolgen kann.
4) Bildbearbeitung
- Bilder nachschärfen
Die meisten Kameras verfügen über einen sog. “Anti-Aliasing-Filter” um den sog. Moire-Effekt zu vermindern. Als Nebeneffekt des Filtereinsatzes tritt eine verminderte Schärfe auf.
Es existieren unzählige Methoden zum Nachschärfen von Bildern, mannigfaltige Programme und Plug-ins, welche den Anwender bei dieser Aufgabe unterstützen wollen, und nicht zuletzt eine Unmenge an Artikeln und Büchern, die sich mit diesem Thema beschäftigen.
Das Nachschärfen eines Bildes bringt keine zusätzlichen Details der Aufnahme hervor, sondern lässt die vorhandenen Details lediglich schärfer erscheinen.
- Deep Focus Fusion
Manchmal ist es unmöglich das Motiv vollständig scharf abzubilden, auch wenn man so weit wie möglich abblendet. Bei der hier beschriebenen Methode werden Aufnahmen des selben Motivs mit unterschiedlichen Fokuspunkten miteinander zu einer Aufnahme verbunden, die von allen Einzelbildern nur die schärfsten Bereiche verwendet. Diese Methode kann sowohl in der Landschafts- als auch Makrofotografie effektiv angewendet werden.
- Fotogröße ändern
Nach dem Verkleinern von Fotos für die Präsentation im Web erscheinen die Fotos oft schärfer als wenn man sie in der Originalgröße ansieht.
WICHTIG! Um die Abbildungsleistung einer Linse zu beurteilen ist es unbedingt notwendig, die Aufnahmen in 100% Orignalgröße zu betrachten!
- Komprimierung minimieren
Es gibt zwei Wege, ein Bild zu komprimieren: verlustreich oder verlustfrei. Bestimmte Dateiformate w.z.B. .TIF und .PSD sind verlustfrei, d.h. man verliert beim Abspeichern, Öffnen und Wieder-Abspeichern nichts an Bildqualität. Andererseits existieren Dateiformate w.z.B. JPG, die eine verlustreiche Datenkomprimierung vornehmen. Das führt dazu, dass jedesmal beim Speichern im .JPG-Format Bildqualität verloren geht. Um den Bildqualitätsverlust und die Entstehung von sog. JPEG-Artefakten zu vermeiden, solltst Du beim Abspeichern im JPEG-Format die höchstmögliche Qualitätsstufe verwenden.
Als Quellen für diesen Artikel sind diverse Forenbeiträge auf www.dforum.net sowie ein englischsprachiger Artikel von Ariel Bravy zu nennen.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 29. Juli 2007 um 18:45und abgelegt unter klick. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.







